Geschichte unserer Pfarrkirche

Unsere Pfarrkirche St. Johannes Baptist

zu Warstein – Allagen

1. Geschichtlicher Rückblick

Die heutige Pfarrkirche ist der 4. Kirchenbau in der Gemeinde Allagen.

Nach der Überlieferung gab es in unserem Raum schon zur Karolingerzeit, also im 9. Jahrhundert, eine Kirche, und zwar auf der Höhe der Haar, als von Soest aus im Zuge der Christianisierung an zahlreichen Stellen auf dem Haarstrang Pfarreien gegründet wurden.

Das Patrozinium „Johannes Baptist“ weist darauf hin, dass die Kirche in „Oister-Allagen“ für die umliegenden Orte Tauf- und Mutterkirche war (Stammpfarrei).

Im 12. Jh. verlagerte sich die Besiedlung von der Haar auf das Südufer der Möhne am Abhang des Arnsberger Waldes. 1144 wurde hier die 2. Kirche eingeweiht, von der noch ein besonderer „Kruzifixus“ vorhanden ist. Die Figur Christi ist mit einer langen Tunica bekleidet, eine Darstellung also, die recht ungewöhnlich und auf die mittelalterliche Legende von der „Heiligen Kümmernis“ zurückzuführen ist. Während sich das leider beschädigte Original dieses wertvollen Kümmerniskreuzes im Diözesanmuseum Paderborn befindet, ziert eine Nachbildung heute unseren Chorraum oberhalb des Altares.

Als 1671, also nach 530 Jahren, die kleine romanische Kirche durch ein größeres Gotteshaus ersetzt wurde, behielt man den Turm von 1144 bei. Da dessen Helm nur um 1,5 m über dem First des neuen Kirchendaches emporragte, hatte die 3. Kirche von Anfang an ein etwas armseliges Aussehen. Bereits Ende des 18. Jhdt. wurde auch diese 3. im frühen Barockstil erbaute Kirche zu klein, und die fürstbischöfliche Behörde in Köln drängte auf den Bau eines größeren Gotteshauses. Aber es dauerte aus verschieden Gründen / Kulturkampf / noch rund 100 Jahre, bis schließlich der 4. Kirchenbau in Allagen vollendet war. Josef Schafmeister, dem als 1. Pfarrer nach dem Kulturkampf am 14.02.1887 die Pfarrei Allagen übertragen wurde, nahm sofort den lange geplanten Kirchenbau in Angriff, und bereits am 16.11.1887 konnte das Fest der Grundsteinlegung gefeiert werden. Knapp 4 Jahre wurde gebaut. Am 11. Juli 1891 konsekrierte der Paderborner Weihbischof Augustinus Gockel das stattliche Bauwerk.

2. Das Gotteshaus

Der vom Regierungsbaumeister E. Schupmann aus Berlin entsprechend dem vorherrschenden Baustil geplante neugotische Bau wurde zum größten Teil aus Grauwackesteinen errichtet, die aus einem in der Nähe der Kirche liegenden Steinbruch gewonnen wurden. Die für den Innenausbau benötigten Sandsteine (Säulen, Pilaster, Gesimse, Fensterleibungen) wurden aus Wrexen an der Diemel bezogen. Die Gurtbögen wurden mit Ziegelsteinen gemauert, und die Gewölbe samt den Rippen entstanden aus Tuffstein. Der Baukörper weist eine 3-Teilung auf: das Chor mit 5/8 Apsis und 3 hohen Fenstern, den Mittelbau in der Form einer dreischiffigen Hallenkirche und den einschiffigen Westteil mit einer kleinen Eingangshalle im Turm.

Da das reichhaltige Inventar der 3. Kirche sehr stark wurmbefallen war und für die neugotische Kirche nicht passend erschien, wurde es auf dem Kirchhof verbrannt.

Das neue Gotteshaus erhielt einen geschnitzten Hochaltar mit figürlichen Darstellungen aus dem Leben des Kirchenpatrons, 2 Seitenaltäre, geweiht der Gottesmutter und dem Hl. Josef, sowie die Kommunionbank und die Kanzel von dem Künstler Anton Hellweg aus Paderborn. Es ist sehr bedauerlich, dass man bei der ersten Renovierung der Kirche 1953 dem Zeitgeist folgte, die gesamte neugotische Einrichtung entfernte und durch s.g. „moderne Elemente“ – überwiegend aus Marmor – ersetzte. Außerdem wurden die Chorfenster zugemauert.

Knapp 20 Jahre später erfuhr das Gotteshaus wieder eine Umgestaltung. In Anlehnung an das 2. Vatikanische Konzil wurde nun auf Hochaltar, Kommunionbank und Kanzel verzichtet. Im Chorraum wurden ein Zelebrationsaltar aus Sandstein und ein Bronzeambo aufgestellt, und die 3 Fenster wurden wieder geöffnet. Durch den Anbau einer größeren Sakristei stand die bisherige als Kapelle zur Verfügung, die das Allerheiligste aufnahm.

Ihr heutiges Aussehen erhielt unsere Pfarrkirche 1984.

Der Tabernakel fand in der Form eines Heiligenhäuschens wieder seinen gebührenden Platz in der Achse der Kirche.

Die kleine Kapelle nahm die von der KFD gestiftete Muttergottesfigur auf.

Während beim Bau der Kirche von den 3 Chorfenstern nur die 2 seitlichen figürliche Darstellungen erhielten (Franziskus v. Assisi und Antonius Einsiedler/ und das mittlere Fenster hinter dem ehemaligen Hochaltar ein Teppichmuster aufwies, ziert nun der Kirchenpatron Johannes in zwar moderner, aber dem Nazarenerstil angepasster Form das Mittelfenster (Prof. Josef Gesing).

Das Rosenkranzbild von Hermann Volkhausen des ehemaligen Marienaltars befindet sich nun an der Nordseite des Mittelbaus.

Die ursprüngliche ornamentale Ausmalung wurde erneuert, und ein Kreuzweg sowie Heiligenfiguren im Stile der Nazarener Schule fanden ihren Platz an geeigneten Stellen.

Die Orgel von 1894 wurde mehrmals überholt.

Besucher der Allagener Pfarrkirche stellen immer wieder fest, dass dieses Gotteshaus durch seine gediegene Ausstattung, seine feierliche Atmosphäre und seine Harmonie von Licht und Farben in besonderer Weise zum Gebet und zur Liturgie einlädt.