Handwerkskunst aus Allagen

Den Räumen durch Farbe mehr Tiefe geben

Der Allager Kunstmaler Andreas Berger

Von Dorothe Richter

Der Ursprung der Illusionsmalerei liegt in der Zeit von Pompeji.

Schon die alten Römer wussten, wie man mit Hilfe von barocken Wand- oder Deckenmalereien nicht vorhandene Räumlichkeiten vortäuscht. Dieser „Scheinarchitektur“ hat sich auch Andreas S. Berger aus Allagen gewidmet. „Der Effekt bei der Illusionsmalerei ist der, dass sich im Augenwinkel des Betrachters der Raum erweitert, oder eine andere Perspektive bekommt. Der Raum wirkt tiefer, weiter und dadurch attraktiver.“ Natürlich könne das Unterbe-wusstsein sofort erkennen, dass es sich nur um gemalte Illusionen handelt, welche die tatsächliche Architektur scheinbar vergrößere.

Der Allagener Künstler, der seine Ausbildung zum Restaurator in Oberammergau gemacht hat, und sich hier die Kenntnisse der Illusionsmalerei angeeignet hat, stellt gerade in der heutigen Zeit eine Renaissance fest: „Da in unseren Breiten ein eher etwas trübliches Klima herrscht, haben viele Leute das Bedürfnis, sich mit einem Wandbild mediterrane Atmosphäre ins Haus zu holen.“ Mediterran bedeutet für einen Gestalter wie Andreas Berger: „Ein weites Feld, auf dem ich spielen kann.“ Ala-basterfarbene Säulen, wie zufällig hingelegte Amphoren, grüne Rankpflanzen die sich an Torbögen räkeln, üppige Blumenarrangements und kerzengrade Zypressen am weiten Horizont. All diese Elemente spiegeln die Wärme unter südlicher Sonne wider. Ein heiteres Ambiente, was seine Bewohner besonders in der dunklen Jahreszeit zum Träumen einlädt.

Da sich Andreas Befger als reinen Auftragsmaler versteht, richtet er sich vor allem nach den Wünschen seiner Kunden. Denn von denen möchten viele einfach nur gern ihre Urlaubserinnerungen an den heimischen Wänden zu Hause verewigt haben, manchen Unternehmern oder öffentliche Auftraggebern dagegen ist es wichtig, mit der Illusionmalerei betonende Akzente zu setzen.

Die Hauptarbeit beginnt für den 55-Jährigen mit dem Entwurf. „Das, was sich die Leute vorstellen, muss ich ja letztlich so zu Papier bringen, dass ich es auch-später auf die zu bemalende Wand übertragen kann. Wenn es zum Beispiel das Matterhorn sein soll, müssen natürlich die Größenverhältnisse mit der Wand übereinstimmen.“ Das anschließende Ausmalen des Entwurfes in Originalgröße sei für ihn dann eigentlich nur noch eine Fleißarbeit meint Berger, der nicht nur Innenwänden ein „illusorisches“ Aussehen verleiht, sondern auch den Wetter ausgesetzten Hausfassaden draußen. „Ich bin gerade bei einem Kunden, um ein Bild an der Außenfassade zu erneuern, das ich vor etwa 28 Jahren gestaltet habe.“

Die Farben, die der Kunsthandwerker gebraucht, sind atmungsaktiv, geruchsneutral, witterungsbeständig, und lassen sich untereinander gut mischen. Im Gesamtauftrag, bemerkt Andreas Berger, würde die Dispersionsfarbe, mit der er seit etwa 40 Jahren arbeitet, den kleinsten Posten ausmachen. Bei den Pinseln besteht aller- dings ein hoher Verschleiß, da sie sich auf dem rauen Putz schnell abnutzen.

Dass der Allagener in den vergangenen Jahren sehr fleißig gewesen ist, davon zeugen reichlich Wandgemälde, die unter seinen Künstler-Händen entstanden sind. Zum Beispiel hat er in zwei namhaften Lebensmittelmärkten die Bereiche Kühlung und Getränke mit überdimensionalen Gemälden gestaltet. Auf der einen Seite simulieren Pinguine im Eis den Kunden das Frische-Bedürfnis, während heiße Wüstenlandschaften Durstgefühle hervorrufen. „So ein bisschen Psychologie ist ja immer dabei“, schmunzelt Andreas Berger. „Die treffenden Sachen sind es ja, die ein Bild ausmächen.“ Ein renommiertes Autohaus in Soest beauftragte Berger mit einem Gro-ßautrag. Das .bedeutete für ihn, auf einer Fläche von 110 Meter Breite und 4,50 Meter Höhe mit einem Illusionsbild nach dem Motto „Toscana in den Fünfzigern“

sein Bestes zu geben. Sein größtes Werk, bislang. Manchmal holten ihn seine Auftraggeber sogar bis nach Spanien, das waren dann schon Highlights.

Eigentlich habe er schon sehr früh mit dem Malen angefangen, erinnert sich der gebürtige Belecker. Während seiner Schulzeit hat er durch Bruno Römer, der jahrelang das Outfit der Karnevalswagen und die verschiedenen Kulissen in der Schützenhalle entwarf, die ersten Kontakte zur Malerei bekommen.

„Bei ihm kam dann meine Passion, große Flächen zu malen. Das war anfangs nicht so einfach, da ich mich auf große Wandflächen umstellen musste. Wenn man da nicht aufpasste, konnte man sich sehr schnell im Detail verrennen.“

Beim Stichwort Rennen ergibt sich gleich die Überleitung zum Thema

Bundeswehr: „Statt zu marschieren, habe ich die gesamten 12 Monate nur gemalt“, freut sich Andreas Berger noch im Nachhinein. „Ich glaube, ich habe die ganze Kaserne ausgemalt. Beim Bund bekam ich auch ein Studium an der Kunsthochschule in Göttingen ermöglicht. Das war Klasse!“

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Um neun Uhr ist der Haushalt fertig, dann gehts’s zur Sache

Handwerkskunst Josefine Piekarz aus Allagen könnte Tag und Nacht töpfern
65 verschiedene Engel-Arten hergestellt: „Ich glaube, ich engel mich noch mal tot“

Von Dorothe Richter

„Das isses“, so stellte Josefine Piekarz 1990 fest, als sie auf der Suche nach einem Hobby einen Töpfer-Kursus belegte. Sie war total begeistert davon, welche Gestaltungsmöglichkeiten sich mit dem Werkstoff Ton ergaben.

Seit sie auf diesem Weg zur Überzeugung gelangte, „das“ Hobby gefunden zu haben, sind viele Jahre vergangen. Und es vergeht bis heute kein Tag, an dem die Allagenerin nicht an ihrem Arbeitsplatz sitzt, um kunstvolle Tonfiguren zu formen.

„Um neun Uhr ist der Haushalt fertig, und dann geht`s zur Sache. Ich könnte Tag und Nacht töpfern. So gut gefällt mir das. Außerdem möchte ich etwas machen, was man woanders nicht kaufen kann. Etwas kreieren, was meine eigenen Ideen darstellt, und wo ich mich ausdrücken kann.“ Das kreative Tun mit dem geschmeidigen Ton, der sich so gut mit den Händen bearbeiten lässt, sei obendrein für sie sehr entspannend.

Im Haus von Josefine Piekarz im Schrewenfeld stellt man fest, dass es fast keinen Raum gibt, der nicht vom künstlerischen Geschick der Hausherrin zeugt. Das Treppenhaus überrascht: Mit weihnachtlichen Dekorationen wunderschöner Töpferfiguren, die so ein bisschen an das Ambiente der Dauer-Ausstellungen von „Käthe Wohlfahrt“ erinnern. Kleine, große und pausbäckige Engel mit Kulleraugen stehen artig auf der beleuchteten Konsole und gucken neugierig in die Welt, daneben eine Vielfalt farbenprächtiger Kränze. „Ich glaube, ich engel mich noch mal tot“, lacht die 62-Jährige, „insgesamt habe ich so an die 65 verschiedende Engelarten gemacht.“

Sie forme extrem gern, verrät die Künstlerin das Geheimnis ihrer Töpfer-Leidenschaft, während sie vorsichtig mit einem feinen Pinsel die glänzenden Figuren entstaubt.

Fortgesetzt wird die Reihe der „Tongalerie“ mit allerliebsten Blumenkindern, Osterhasen, Clowns, Teddys, Jungen/Mädchen-Paare und Rosenblüten im Wohnzimmer der Familie, wo man angesichts der Fülle aus dem Staunen nicht mehr herauskommt.

Da alle Figuren für jeden sichtbar offen sind, legt ihre Besitzerin Wert darauf, dass Besucher und Gäste, die sich umsehen wollen, um vielleicht auch das eine oder andere handgearbeitete Teil zu kaufen, alles „mit den Augen berühren — bitte nicht mit den Händen“.

„Manchmal denke ich“, so Josefine Piekarz, „dass es doch ganz schön verrückt ist, so viele Tonsachen hier stehen zu haben. Aber ich hänge nun mal an jedem Teil, und gebe sie ungern ab. Deshalb können meine Objekte hier angeschaut werden, und auf Wunsch arbeite ich dann noch einmal das gleiche.“

Vorlagen braucht sie nicht, gestattet sich aber ab und an mal „mit den Augen zu klauen“, beim Durchblättern von Katalogen oder einem Schaufensterbummel in der Stadt.

Am größten ist natürlich die Spannung, wenn nach 24 Stunden die fertig gebrannten Teile dem Brennofen entnommen, und sorgfältig begutachtet werden. Der erste, sogenannte Schrühbrand hat eine Temperatur von 950 Celsius und beim zweiten Glasurbrand wird der Ofen auf 1050 Grad herauf gefahren.

Den Ton bezieht Josefine Piekarz in „rauen Mengen“ von speziellen Firmen in Dortmund und Essen. „Das sind jedes Mal so etwa 360 Kilogramm, die da in den Kofferraum reinkommen.“ Da Ehemann Heinz die Großtransporte seiner Frau kennt, und zu den Tonballen sich auch noch häufig zahlreiche Glasuren-Töpfe hinzugesellen, pumpt er vor Fahrtantritt vorsorglich schon immer mehr Luft auf die Reifen.

Heinz Piekarz unterstützt die Töpferei seiner Frau. Trennte einen Teil des Küchenraums ab, und richtete ihr einen geräumigen und hellen Arbeitsplatz am Fenster ein, „so hat sie alles gut im Blick“.

Einen guten Blick für Proportionen muss die Künstlerin auf jeden Fall haben, denn jede Tonfigur die unter ihren geschickten Händen entsteht, ist reine Handarbeit. Manchmal formt sie viele kleine Teilchen die zusammengefügt, das Gesamtwerk ausmachen. Wie zum Beispiel die Gestecke aus Ton, deren Blüten, Knospen, Blätter und Stengel jeweils einzeln geformt sind und an Seidenblumen erinnern. Beim Glasieren kommt es Josefine Piekarz auf eine harmonisch aufeinander abgestimmte Farbkombination an, welche den Tonfiguren, besonders bei der Gestaltung von Gesichtern, letztlich ihren eigenen Liebreiz verleihen. So ist jedes Stück, auch wenn es sich thematisch mal wiederholt, immer ein Unikat.

Ob sie ihre Töpfersachen in der Öffentlichkeit ausstellen will? „Nein, eher nicht“, antwortet Josefine Piekarz, „das liegt mir nicht so. Gern sei sie bereit, „an Ort und Stelle“, sprich zu Hause in den eigenen vier Wänden, ihre handwerklichen Stücke vorzuführen. Zusätzlich haben sich im Laufe der Zeit vier große Ordner mit Fotos angesammelt, so dass reichlich Anschauungsmaterial vorhanden sei.

Zum Schluss noch die Frage, ob es Lieblingsthemen in Ton gibt? „Ja“, strahlt sie, zünftige Kinderfiguren — etwas dicker und mit Kulleraugen

— „das isses“.

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-Glitzernde Welt der Goldschmiedekunst

Goldschmiedin Katja Taubert aus Allagen hat sich auf die Herstellung von Unikatschmuck spezialisiert

Von Dorothe Richter

Der Blick von ihrem Atelier ins Grüne ist für Katja Taubert Ruhe und Kontrast zugleich: Während draußen die Natur ihre eigenen Wege geht, der Herbst großzügig seine Farben auf Blättern und Gräser zeichnet, ist im Allagener Goldschmiede-Atelier höchste Konzentration angesagt. Hier bleibt nichts dem Zufall überlassen. Jedes Schmuckstück wird von der Goldschmiedemeisterin exakt auf Maß gearbeitet. „Schmuck ist gradlinig. Er hat klare Formen, und ist dennoch verspielt“, erklärt die Fachfrau. „Farbkombinationen bringen Wärme hinein und lassen so die Schönheit der Edelmetalle erst richtig zur Geltung kommen.“

Schon sehr früh hat sich Katja Taubert, die gebürtig aus Saarlouis bei Saarbrücken stammt, für Schmuck interessiert. Mit 14 Jahren machte sie in ihrer Heimatstadt ein Praktikum in einer Goldschmiede. Rasch war ihr klar, dass die Richtung Schmuck für sie „goldrichtig“ wäre. „Ich war irgendwie immer kreativ mit Nähen und Stricken.“ Nach etwa dreieinhalb Jahren Lehre in Düsseldorf auf der Kö, bei Renè Kern, schloss sie die Ausbildung ab. Es folgte die Gesellenzeit und ein Besuch der Meisterschule in Münster.

Doch bei dem Titel Goldschmiedemeisterin ließ es die „Wahl-Allagenerin“ nicht bewenden. Sie studierte ebenfalls in Düsseldorf einige Semester Schmuck-Design und machte noch Zusatzausbildungen zur Diamantgutachterin und Gemmologin (Sachverständige für Edelsteine). Wertgutachten bei der Schätzung von Schmuck aus Erbnachlässen ist deshalb auch ein regelmäßiges Betätigungsfeld der Schmuck-Expertin.

In der glitzernden Welt der Goldschmiedekunst hat sich Katja Taubert hauptsächlich auf die Herstellung von Unikatschmuck spezialisiert. „Ich arbeite mit verschiedenden Edelmetallen wie Gold, Platin und Silber, und mit hochkarätigen Farb-Edelsteinen“, gewährt Katja Taubert einen Einblick in ihre Atelierarbeit. „Was mich dabei fasziniert, sind ausgefallene Steine und Steinschliffe, weil man hier so viel Licht und Feuer herausholen kann.“ Überhaupt orientierten sich die Kundenwünsche an ausgefallenen Schmuckstücken, was die Goldschmiedin natürlich veranlasst, neben ihrer selbst entworfenen Kollektion auch auf den individuellen Geschmack der Trägerin einzugehen. „Das Ausgefallene zu tragen, ist vielen sehr wichtig“.

Die Grundlage für jedes angefertigte Teil ist zunächst ein Entwurf, den Katja Taubert als Zeichnung auf Papier anfertigt, und der von ihr „dreidimensionales Sehen“ abverlangt.

Eine Herausforderung der besonderen Art erlebte Katja Taubert vor einigen Jahren, als sie mit anderen Schmuckdesignern zusammen den dritten Preis im Wettbewerb „Schmieden für Maxima und Willem-Alexander“, dem niederländisches Prinzenpaar, gewann. Darauf ist die Allagenerin bis heute stolz.

Im Möhnetal fühlt sie sich wohl, „weil hier die Gegend so schön ist“. Sicherlich ist das nicht der einzige Grund, der sie nach Allagen geführt hat. Ein ganz wichtiger Grund ist auf jeden Fall Ehemann Ulrich Cordes, den sie über Freunde kennen lernte. Als sie mit ihrem Mann im Jahre 2000 zusammen das Haus in Allagen an der Westterasse plante, wurde die Konzeption eines Ateliers gleich mit berücksichtigt.

Großzügig, und vor allem hell sollte es sein, so war die Vorgabe. So ist der Arbeitsplatz auch ganz auf die zierliche Goldschmiedin zugeschnitten. Gleich in Augenhöhe befindet sich das wichtigste Arbeitsgerät in der ganzen Werkstatt, nämlich der „Pfeilnagel“. Hier wird jedes Schmuckstück von der Rohform bis zur Formvollendung in Handarbeit gefertigt. Die Edelmetall-Späne, die beim Sägen und Feilen anfallen, sind kostbar und werden in einer großen Lederschürze, unterhalb des Arbeitsfeldes aufgefangen, gesammelt. Der „Abfall“ wird dann später zu einer einer Scheideanstalt geschickt, wo das Edelmetall heraussortiert wird.

Das Schmelzen der Edelmetalle, um sie weiter verarbeiten zu können, geschieht unter hohen Temperaturen mit einer offenen Flamme in kleinen Tiegeln. Auch das gehört zum Metier einer Goldschmiedin und erfordert ebenso wie das Arbeiten mit scharfen und spitzen Werkzeugen ein wachsames Auge.

Ausstellungen ihrer künstlerischen Schmuck-Exponate im heimischen Raum sind für Katja Taubert mittlerweile fast schon zur Gewohnheit geworden. So zum Beispiel in der Niederbergheimer Galerie Pohl, Schloß Herdringen, Schloss Eggeringhausen bei Lippstadt, und im Schloß Körtlinghausen, in der Nähe von Kallenhardt.

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